Otto Kern – für die Modewelt seit den 80er-Jahren ein Begriff für modische, schicke Männerhemden sowie auch schicke Damenblusen. Im Alter von 67 Jahren ist er jetzt in Monte Carlo friedlich für immer eingeschlafen. Der blonde Sympathikus, der in Kaiserslautern aufgewachsen ist und sich dann in den Modelabels der Welt mit eigenen Designideen etablierte, steig völlig geräuschlos aus dem Zug des prallen Lebens mit Chic und Kohle sowie schönen Frauen. Eine gefährliche Welt, wissen die Insider. Denn hier wird das Lebensgefühl oft mit Hilfsmitteln noch kräftig aufgepuscht. Die Reize haben in dieser eigenen Welt ihre ganz eigene Note. Auf Dauer ist sie jedoch sehr gefährlich. Schon manch einer, der sich hier verirrt hat, war plötzlich nicht mehr da, weil der Körper nicht mehr mitmachte.
Wer war Otto Kern? Der Sohn eines Antiquitätenhändlers. Ein Junge, der in Kaiserslautern beheimatet war, der schon früh seine Begabung in Sachen Mode erkennen ließ. Er hatte Geschmack. Irgendwann landete er in Frankfurt, einer Stadt, wo er diverse Freunde hatte. Einer davon war Wölfi Seitz, ein Tausendsassa mit hessischem Odeur. Man könnte auch sagen, ein Lebemann. Einer, der eine besondere Affinität für den schnellen Aufriss mitbrachte und dafür auch in der Szene mit Musik, Rock´n Roll, Sex und eigenwilliger Freiheit oftmals bewundert wurde. „Ein typischer Frankfurter Bub“, würden die Frankfurter sagen. Mit nix oder net viel komme, aber dann gut ins große Geschäft rutsche. So sinn se halt, die Frankfurter Buwe. Und so mag man sie auch. Vielleicht nicht überall, aber trotzdem. Viele dieser Jungs haben es zu etwas gebracht. Und einer in dieser Kategorie war ganz jung auch Otto Kern, der sich mit seinem Lächeln und seinen blauen Augen überall als Sympathikus erwies, ohne dass er auch mit gewaltigem Spruch auf den Putz bei seinesgleichen hauen mußte. Was vielleicht mancher im Business unterschätzte: Otto Kern war ein jungen hungriger Löwe.
„Den Talenten gemäß landete Otto halt irgendwann in München, der Hauptstadt des Schickeria-Lebens. Dort ging auch für ihn im Tag- und Nachtleben die Post ab. Dort kam er blendend an.“ Weil der Weg von München nach Monte Carlo – oft identisches Klientel – nicht weit war, dauerte es nicht lange, dass Otto, der Beau vom Main, dort in der modischen und leichtlebigen Szenerie mit Sonne, Champagner und viel Gedöns im Auftritt, auch für sein Kern-Modelabel ideal aufgestellt war.Seine Hemdenmarke signalisierte Erfolg, aber auch die Leichtlebigkeit des Seins an der Cote d´Azur. Zwischen Monte Carlo und München war für Otto Kern der Boden, wo er sein erfolgreiches Business und seine Ausstrahlung tanzen lassen konnte. „Why not“, das war nicht nur seine Lieblingsdisko in Frankfurt, sondern auch seine Philosophie. Leben, tanzen, Business und Flirten bis zum Umfallen, da fand auch der gutaussehende Modemann aus Germany das eine oder andere Plätzchen, das er ganz allein beherrschte. 4 Mal war er verheiratet. Die bildhübschen und lebenshungrigen Frauen, die eine besondere Wahrnehmung des Lebens hatten und ihre Erfüllung auch mit entsprechendem Kapital stets im Auge hatten, flogen auf Otto. Er ließ es gerne zu. Er badete in ihrer Sympathie und ihrem Sexappeal. Also ganz normales Leben an der berühmten Cote mit Stars, Sternchen, Spielbank, Champagner sowie natürlich Schiffseignern und körperbewußten jungen Leuten aus der ganzen Welt. Trotzdem hat Otto Kern nie den Kontakt zu seinen alten Mitspielern dieser Szene verloren. Seine Beine suchten den Halt, seine Augen wanderten stets in das sorglose Leben der High-Society. Und dort war er stets gerne gesehen. Otto Kern. Ein Mann fürs Leben, das so vielen gefällt, aber nur wenige schaffen, sich dort zu etablieren. Otto ist nicht mehr, was mir sehr leid tut. Habe ihn hin und wieder mal getroffen und mich gefreut, wie gut er sich doch behauptet hat in diesem Society-Zirkus, der die Schlagzeilen der Boulevardpresse oft beherrscht. Mir sagte Otto Kern mal vor längerer Zeit: „Egal wo Du bist, Du musst halt dort glücklich und erfolgreich sein. Sonst ist das Leben ziemlich uninteressant.“ Trotzdem: Otto Kern hat gut in seiner Branche als Designer gearbeitet, den Medien Schagzeilen geschenkt und auch für sich und seine Frauen intensiv gelebt. R.I.P. Otto, man/Frau wird Dich vermissen. An der Cote, in München, in Frankfurt oder sonstwo. Die Begegnungen mit Dir waren auch von meiner Seite immer von Sympathie geprägt. Horst Reber
Der Beitrag Otto Kern – der Charming-Boy aus Frankfurt, der mit neuem Hemdenstil die Modewelt verblüffte und ein Star wurde erschien zuerst auf Horst Rebers Tag & Nachtausgabe.
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