Frankfurter Fußballfreunden und Traditionalisten tut das richtig weh: Der Fußballsportverein, also der 1899 gegründete FSV Frankfurt, taumelt angeschlagen in die 4. Liga, wenn nicht noch ein ganz überraschendes „Wunder Bernem“ stattfindet. Dreimal am Stück mit dem neuen Trainer verloren, in der Tabelle ganz hinten gelandet – und dazu fehlen auch noch 1,6 Millionen für die Lizenz. Eine traurige Angelegenheit. Der einstmals doch sehr erfolgreiche Vereinaus dem Stadtteil Bornheim, der ruhmreiche Spieler hervorgebracht und sogar am 7. Juni 1925 mit dem 1. FC Nürnberg durch ein 0:1 im Endspiel nur hauchdünn den Gewinn der Deutschen Meisterschaft verpasste, allerdings 1933 Süddeutscher Meister wurde, als der unvergessene Schorch Knöpfle im Frankfurter Waldstadion per „Köpfle“ mit 1:0 gegen TSV 1860 München den Triumph klar machte. Klar, alles Schnee von gestern. Aber all dies gehört zum FSV Frankfurt. Das ist Lebensgeschichte. Und immerhin gelang den Bernemer am 8. Juli der Gewinn der Deutschen Amateurmeisterschaft, beispielsweise mit einem Spielführer namens Horst „Schotte“ Trimhold. Was auch kein Pappenstil dieser schöne und umjubelte Erfolg damals.
1962/63 wäre man sogar als neuer Meister der Regionalliga Süd in die 1. Liga aufgestiegen, wenn dies nicht das Gründungsjahr der Bundesliga gewesen mit neuem Reglement gewesen wäre.
Leicht haben es die Kicker dieses originellen Frankfurter Stadtteilvereins allerdings nie gehabt, denn in Frankfurt gab es letztlich noch die größere Eintracht, die 1989 u. a. mit dem unvergessenen Kapitän Alfred Pfaff, Richard Kress, Egon Feigenspan, Dieter Lindner, Dieter Stinka, Torhüter Egon Loy sowie dem damaligen umjubelten ungarischen Wunderstürmer Istvan Sztani, der übrigens am Sonntag 80 Jahre alt wurde, und seinen allseits bekannten Mannschaftskollegen mit einem 5:3 Endspielsieg (n. V.) erstmals in der Vereinsgeschichte Deutscher Fußballmeister wurde und ganz Frankfurt aus dem Häuschen geriet. Alles vorbei? Nein, die Geschichte lebt immer weiter. Und eines ist sicher: Die Stadt Frankfurt verträgt durchaus zwei erfolgreiche Fußballvereine, wenn man beidseits klug mit dieser Gabe fürs Publikum umgeht. Nur die historische Fortsetzung ist nicht immer so wie gewünscht erfolgreich, wie jetzt leider beim FSV Frankfurt zu erleben.
Aber deswegen schon aufgeben? Absolut nein. Die FSV-Kicker haben eine große Verpflichtung noch zu retten, was zu retten ist. Die 4. Klasse wäre eine Demütigung der Geschichte. Ehrenspielführer Karlheinz Volz und eine ganz treue Seele des FSV sagte mir heute voller Bedauern: „Mit dieser Truppe habe ich derzeit ehrlicherweise wenig Hoffnung, dass noch ein Wunder stattfinden kann. Aber man soll ja nicht aufgeben, wenn noch ein Funken Leben vorhanden ist“. Das hätte garantiert auch der Träger des FSV-Ehrenrings, Josef Fleckenstein gesagt, der als 15jähriger Junge Mitbegründer des FSV wurde und sich auch als Aktiver auf dem Rasen behauptete. Vergangene Zeiten, vergangene Welten im Fußball. Aber es gibt immer wieder Vereinsmitglieder, die an etwas glauben, was eigentlich nicht mehr in Reichweite ist. Einer davon ist Michael Görner. Er hat sich schon in der Vergangenheit enorm für den FSV eingesetzt. Auch mit finanziellen Mitteln, wenn es wieder mal brannte. Görner führte den Verein schon zwischen 2003 und 2007, um dann aus privaten Gründen aus der Amtsverpflichtung auszusteigen. Derzeit ist Julius Rosenthal Präsident. Michael Görner würde ihn im Herbst beerben. Das Gerangel und Geschiebe und die Diskussionen nehmen derzeit kein Ende. Mehrere Köpfe wollen einen neuen Schub erwirken, was gut ist, aber ohne sinnvolle Strategie in der Regel außer Krach wenig bringt. Aber immerhin. Der FSV ist noch nicht k.o. Gut so. Noch wichtiger wäre jetzt ein Mann (oder eine Frau), die souverän mithilft, die guten Kräfte und Köpfe des Vereins zusammenzuhalten. Damit es mit verbessertem Geist und noch mehr sinnvoll gesteuerter Motivation erfolgreicher in der Zukunft am Bornheimer Hang weitergeht. Daran ist mit Sicherheit auch Ludwig von Natzmer als langjähriger Vizepräsident interessiert. Aber derzeit scheint lediglich das interne Chaos zu dominieren. Was sehr bedauerlich ist.
Leute, vertragt Euch. Friedlich vereint läßt sich vieles – auf alle Fälle mehr – bewegen, was im Streit aus Erfahrung meistens überhaupt nicht funktioniert. FSV, Du hast eine Verpflichtung gegenüber der Stadt Frankfurt und den FSV-Anhängern. Mach was draus.
Der Beitrag FSV Frankfurt – die betrübliche Bilanz eines Traditionsvereins, der in diesen Tagen nicht nur sportlich taumelt erschien zuerst auf Horst Rebers Tag & Nachtausgabe.
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