Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt galt immer als launische Diva. Allerdings als eine, vor der man als Gegner Angst haben mußte. Kam diese Diva mit dem Adler auf der Brust in Spiellaune, dann mussten sich alle ganz warm anziehen. Selbst die Bayern, die Schalker, der HSV. Von Dortmund war damals noch nicht ganz so viel zu sehen wie das heute der Fall ist. Und nun schaut man auch etwas genauer hin, nachdem Thomas Berthold, der Ex-Eintrachtler, in der BILD-Zeitung in Kombination mit Andy Möller, Istvan Sztani und Charly Körbel, also auch verdienstvolle Eintracht-Spieler mit viel Erfahrung, Tacheles aus ihrer Sichtweise geredet haben. Meine Frage: Hilft sowas? Wird die Mannschaft durch solch einen Akt stärker, spielfreudiger, torgefährlicher? Ich behaupte eher mal NEIN. Dem derzeit kritisch ausgerichteten Eintracht-Thema und der Suche nach mehr Leistung, Erfolg und Spielkultur muss man vielfältig auf den Grund gehen, meine ich. Wobei ich absolut anerkenne: Die Truppe macht einen austrainierten Eindruck. Mein Einwurf dazu, sorry, Niko Kovac und Co, mag auf den ersten Blick nicht besonders relevant sein, aber eine Überlegung dürfte er innerhalb der Eintracht doch wert sein. Bei der SGE werden im Kader zu viele Sprachen gesprochen. Immerhin ist das so ziemlich eine ganz besonders bunte BL-Mannschaft, schaut man sich mal die vielen Nationalitäten an. Wer versteht wen so richtig? Man spricht aktuell vermutlich mit mehr Zungen als ein Dolmetscher der UNO. Das mag ja schön und auch romantisch sein, nur in der Praxis sehe ich darin eher ein Handicap. Eine verschworene Truppe wird man nach meiner Erfahrung erst dann, wenn man sich auch bestens versteht. Sprachlich und menschlich. Aber daran scheint es doch etwas zu hapern. Was sich aber ändern läßt.
Gemeinschaft entsteht zunächst durch Sprache und notwendigerweise das Verstehen. Von den Spielern wird erwartet, dass alles auf dem Platz wie einstudiert läuft. Tut es aber nicht. Sieht man auch als normaler Zuschauer. Mancher hochbezahlte Profis ist in seiner Situation als vielbeäugter Kicker eher als Solist denn als Mannschaftsspieler auf dem Rasen. Gemeinschaft entsteht zweifelsohne auch durch Training. Aber das Reden und gleichzeitige echte Verstehen, auch rein menschlich mit den üblichen Unter- und Obertönen gesehen, schweißt mit Sicherheit auch gewaltig zu zusammen. Vor dem und nach dem Training.
Aber wie kann sich eine Truppe als Einheit zu einer besseren Gesamtleistung aufraffen, wenn nur wenig an gegenseitiger Beziehung vorhanden ist. 08/15 dürfte das schon stimmen. Aber große gemeinsame Ziele erreicht man vor allem durch eine Sprache, durch das Verstehen auch außerhalb des Platzes. Ohne diesen Aspekt übertreiben zu wollen: Man könnte doch mal versuchen, neben fußballerischen Mängeln auch die sprachlichen abzulegen. Warum soll nicht dreimal pro Woche eine Stunde Sprach- und Sprechunterricht auf dem Trainingsplan als Zusatzhilfe für größere Ziele stehen? Für mehr Gemeinschaftsleben. Beispielsweise auch ohne Ball. Schaden dürfte dies auf keinen Fall. Weder dem Fußball noch im praktischen Leben in Frankfurt oder sonstwo. hre
Der Beitrag Thomas Berthold kritisiert die Eintracht. Das soll ruhig mal sein. Aber es bleibt die Frage, ob dies allein tatsächlich viel hilft? erschien zuerst auf Horst Rebers Tag & Nachtausgabe.
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