Am Mittwoch feiert Holger Obermann seinen 80. Geburtstag. Obermann? Na klar, der ehemalige Profikicker von Hessen Kassel, Concordia Hamburg oder auch FSV sowie eines amerikanischen Fußballclubs. Aber noch wichtiger als Information: Er war 13 Jahre lang als Moderator (ARD-Sportschau) das Sportgesicht des Hessischen Rundfunks. Gemeinsam mit den verstorbenen Moderatoren Wolfhard Kuhlins und Hajo Rauschenbach machte er den Sender an der Bertramstraße in Frankfurt am Main sportlich und menschlich populär. Eine hervorragende Grundlage für den aus Kassel stammenden Sportjournalisten, um sich dann für den deutschen Fußball zum „Botschafter des deutschen Fußballs“ engagieren zu lassen. Er vermittelte fortan mit großem Erfolg in so genannten Drittländern -sprich Entwicklungsländern – seine große sportliche und menschliche Erfahrung mit Jugendlichen und jungen hoffnungsvollen Kickern für höhere Aufgaben in Ländern wie Afghanistan, Sri Lanka, Gambia, Pakistan, Sibirien oder auch Nepal, um nur einige zu nennen.
Es war eine große reizvolle, aber zugleich schwere Aufgabe für einen Mann, der in Deutschland auf der Straße als einer der beliebtesten Sportmoderatoren erkannt und um Autogramme gebeten wurde. Holger Obermann, glücklich mit seiner ebenfalls sportlichen Frau Barbara (Leichtathletik) verheiratet und Vater von zwei längst erwachsenen Kindern, half diesen Ländern unter oftmals sehr schweren geographischen, klimatischen und politischen Bedingungen, dem dort ansässigen Fußball eine neue und modernere Bedeutung zu geben. Und zwar mit Kompetenz für den Sport und das Soziale. Obermann vermittelte Fußball als Institution im Gesamtpaket, um mit seinen Möglichkeiten junge Menschen mit Sport und Ausbildung größere Entwicklungschancen made in Germany zu geben. Diese Rolle erfüllte Holger Obermann unter dem Beifall des Auswärtigen Amtes bis heute ins hohe Alter mit Bravour. Mit besonderer Herzlichkeit und viel Anerkennung wurde ihm dafür überall gedankt, wo er gerade seine Aufgabe erfüllte. Oftmals in Gebieten, die unter Krieg und größter Armut litten. Und wo auch mitunter das eigene Leben gefährdet war und der Lebensstandard mehr als ärmlich zu bezeichnen war, weil nichts anderes momentan möglich war.
Die Bundesregierung ehrte Holger Obermann dafür u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Großen Bundesverdienstorden sowie der Ehre, sich besonders erfolgreich für die Belange der Menschen in fremden Ländern eingesetzt zu haben. Aber der ehemalige Fußballprofi und TV-Reporter ging überall wagemutig und mit Herz ans Werk. In seinem letzten Buch „Mein Fußball hatte Flügel“ (Verlag balog.tv) hat er seinen abenteuerlichen Berufsalltag als „Botschafter mit dem Ball“ herzhaft und gut von Jung und Älter zu lesen beschrieben und bebildert. Auch dafür, Holger. Großes Kompliment!
Wir kennen uns seit Anfang der 70erjahre als Kollegen mit Sitz in Frankfurt. Wir kickten zusammen in der Sportpressemannschaft oder auch dem hr-Sender-Team – stets für einen guten Zweck. Gemeinsam waren wir auch mit der Frankfurter Sportpresseelf in der Türkei. Damals auf Einladung der großen Zeitung „Tercüman“. So wurde auch dank der Vermittlung von Diplomat Vural Kacmaci sowie dem Yogi Gürbüz auch gegen die Profis von Besiktas gespielt. Ein Wunder – mit einem 1:1 konnten die Frankfurter einen großen Achtungserfolg erzielen. Im Frankfurter Presseelf-Tor stand wie eine junge Eiche Holger Obermann. Hinterher sagte er total fertig, aber sehr glücklich: „So oft wie heute bin ich noch nie durch einen Strafraum geflogen…“ Was natürlich an der spielerischen Überlegenheit von Besiktas lag, aber auch dem Kampfgeist der Frankfurter Journalisten.
Mit dabei als Gastspieler in unserem Journalisten-Team der einstige Torjäger der Frankfurter Eintracht und von Darmstadt 98, Erwin Stein. Ebenso der charismatische Kapitän der Stuttgarter Kickers, Dieter Dollmann, der in der Halbzeit auf Bitten von Besiktas das Trikot wechselte und dann noch 45 Minuten als Test für die türkische Mannschaft, die an ihm als Neuerwerbung sehr interessiert war, stürmte. Wie es halt oft im Leben so ist: Ausgerechnet Dollmann schoss gegen uns den 1:1-Ausgleich für Besiktas. Vielleicht war es das Dankeschön für eine wunderbare Gastfreundschaft bei dieser unvergessenen Türkei-Reise. Zum Vereinswechsel kam es dann aber doch nicht – Dollmann blieb in Stuttgart. Trotz eines großzügigen Vertragsangebots. Bewundert wurde im Innonü-Stadion in Istanbul übrigens auch der leidenschaftlich kämpfende Ex-Box-Europameister Rüdiger Schmidtke. Er bewies in der Abwehr einmal mehr, dass er sein Dynamit nicht nur in den Fäusten hatte.
Als geniale technische Augenweide mit auf dem Platz auch Richard Wild, der als Jugendspieler beim FC Bayern groß geworden war, um dann als gut bezahlter Profi in die Schweiz zu wechseln. Der elegante Ballzauberer machte später beruflich bei der US-Fluggesellschaft „Eastern Airlines“ als Europadirektor Karriere. Seit vielen Jahren lenkt Richard Wild, inzwischen Pensionär, beim sehr gepflegten Golfclub Neuhof (bei Neu-Isenburg) als Präsident die Geschicke gemeinsam mit dem rührigen Geschäftsführer Petermann. Schöne Geschichten. Die Freundschaften aus jener Zeit sind geblieben. Holger Obermann, der keine Angst vor dem Alter hat, meinte dazu bei unserem Gespräch: „Die Frankfurter Sportjournalisten waren damals halt eine echte Mannschaft.“
Der Beitrag Holger Obermann wird 80: Der Diplomat, der mal als Fußball-Profi zwischen den Pfosten stand erschien zuerst auf Horst Rebers Tag & Nachtausgabe.
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