Wer beispielsweise mal, wie ich heute, ganz entspannt mit offenen Augen und Ohren drei Stunden auf leisen Sohlen durch die City geht, stellt unbedingt fest: In Frankfurt am Main kommt man, egal welchen Glaubens man ist, prima miteinander aus. Am Mainufer liegen alle Nationalitäten auf der Wiese in der Sonne. Man isst und trinkt und singt sogar mitunter gemeinsam, je nach Besonderheit im Gruppenverhalten. So sieht es jedenfalls schon seit Jahren danach aus. Frankfurt ist in Sachen Miteinander oder in der Thematik „Kultur für alle“, ein Slogan den in den 80iger-Jahren mal Kulturdezernent Prof. Hilmar Hoffmann erfunden hat, offen. Eine sehr angenehme Einschätzung. Frankfurt lebt bestens mit der allgemeinen Toleranz. Christen, Juden, Moslems, Hindus und was man sonst noch alles an religiösen Gemeinschaften und individueller fremder Prägung beifügen könnte: Die Mainmetropole vermittelt im Stadtbild sympathische Eindrücke auf der ganzen Bildfläche. Ob in der Fressgass, Alt-Sachsenhausen, der Konstablerwache, dem Römerberg oder in Bornheim – überall Friede, Freude, Eierkuchen. Aggressivität auch dort nicht, wo es vielleicht sogar ein bisschen eng ist, wie auf der Einkaufsmeile Nr. 1 der guten alten Zeil.
Es ist nicht nur der vielgepriesene Ebbelwei, der laut Werbung verbindet. Es ist auch die innere Haltung der Bürger. Das macht den Spaziergänger sehr glücklich, denn der gemeinsame Trunk wäre argumentativ zu wenig. Man nimmt trotz des in den vergangenen zwei Jahren angewachsenen Straßenverkehrs und vieler fremdländischer Bilder erfreulicherweise gute Stadtgefühle mit nach Hause. Von solch einem gemütlichen Stadtrundgang profitieren Leib, Kopf und Seele. Und dies schon seit vielen Jahren. Schaltet man allerdings dann zu Hause einen Nachrichtensender ein, dann fängt das Grausen und das Entsetzen an. London ist als Metropole der Briten in dieser Beziehung inzwischen eine bedauernswerte Stadt, obwohl als historischer Lebensmittelpunkt an der Themse unglaublich schön und historisch sehr wertvoll und interessant. Leider kaum ein Tag allerdings in London ohne bedrückende, ja grässliche Bilder von Gewalt oder Kriminalität. Es gibt zu viele Zwischenfällen, die einen normalen Menschen, egal welcher Nationalität, sehr bedrücken. Dasselbe leider inzwischen auch oft in Paris, der französischen Metropole an der Seine. Und es drängt sich allein durch TV-Filmbeiträge aus aller Welt, der Gedanke auf, als wäre dieser Zustand inzwischen fast flächendeckend das hässliche Tagesgesicht unserer Zeit auf unserem Planeten. Grausam, verabscheuungswürdig. Hoffnungslos? Nein.
Ich denke nicht, dass es ein hoffnungsloser Zustand in unserer eigentlich doch so schönen Welt ist. Wir müssen uns nur deutlicher gegen solche Auswüchse wehren. Echte Vorbilder sollten öfter mit eigenen sinnvollen Gedanken zu Wort kommen. Wir dürfen allerdings auch in der Berichterstattung nicht den Eindruck aufkommen lassen, als würde uns dieser Zustand der Aggressivität, wo und warum auch immer, irgendwie passen und wäre in der Berichterstattung eine permanente Pflichtübung für Dauerberieselung. Nein, das ist es nicht.
Informieren ja, das versteht sich von selbst. Aber pro Tag bitte keine 20 Wiederholungen von Leid, Elend, Hass und Totschlag, wie bei dem einen oder anderen privaten Sender öfter praktiziert. Ein sehr anerkannter Arzt sagte mir kürzlich: Kein Wunder, dass so viele Menschen immer öfter unter rätselhaften Depressionen leiden. Die Psyche wird permanent belastet. Mancher Bürger, ob Alt oder Jung, kann sich davon oft kaum noch befreien“.
In Frankfurt läuft sicherlich auch nicht alles brav und freundlich rund. Aber ich finde, die Stadt hat seit Jahren eine besondere Qualität. Eine friedliche, eine mit gegenseitiger Akzeptanz. Finde ich. Und das wollte ich hier mal zum Ausdruck bringen. Horst Reber
Der Beitrag Frankfurt und seine 180 Nationen: Toleranz geht durch die Stadt – und das ist in der Mainmetropole ganz normal erschien zuerst auf Horst Rebers Tag & Nachtausgabe.
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