In Mainz sind viele Dinge sehr wichtig. Ganz vorne steht allerdings neben Kardinal Lehmann, der Fassenacht, dem Rhein allerdings auch Mainz 05, ein Bundesligaverein, der sich in den letzten Jahren viel Respekt verschafft hat. Nachdem nun Harald Strutz, der den Verein aus kleinen Anfängen fast drei Jahrzehnte mit seinem Vorstand geführt hat, vom Aufsichtsrat entlastet wurde, sollte doch in der Karnevalsstadt mehr Ruhe einkehren. Über Wochen hinweg stand Mainz 05 im Mittelpunkt, weil sich Harald Strutz angeblich am Verein, wie auch immer man dies korrekt sehen will, durch angeblich zu hohe Entlohnung bereichert habe. So seine Gegner.
Ich stelle immer wieder fest: Fußball ist ein verdammt kriegerisches Feld, wo es im unterschiedlichen Dialog, der meistens schnell in nicht zu akzeptierende Bösartigkeiten ausufert, keine Verwandten gibt. Ich erinnere mich noch gut daran, als Mainz 05 ein recht gemütlicher Verein mit einem sehr souveränen Präsidenten namens Harald Strutz war. Der auch als Leichtathlet (Dreisprung) sehr erfolgreiche Vereinschef war überglücklich, wenn mehr als 4000 Zuschauer die 05-Kicker und ihren Gegner sehen wollten. Um den Rasen vor der Haupttribüne hatte man – aus mir damals allerdings unerfindlichen Gründen – einen ziemlich stabilen eisernen Zaun aufgestellt, gerade so, als müsste er die Stadion-Akteure schützen. Na ja, ob Spieler oder Zuschauer, sei hier mal offen gelassen.
Harald Strutz war jedoch der Vereinsmann, der dafür sorgte, dass beispielsweise mit dem Sympathie-Trainer Wolfgang Frank, einem ehemals begnadeten Bundesligaspieler, der Ball weitaus besser rollte als je zuvor. Aber mit dem Erfolg der 05-Kicker änderte sich auch innerhalb der Zuschauerschaft der persönliche Anspruch. Klar, man träumte auf einmal – nicht zu Unrecht – von der Bundesliga. Wolfgang Frank zeigte Mainz den Weg – und die Bürger, die dank Frank dem Lederball schon fast genauso viel Herzblut schenkten wie der geliebten Fassenacht – waren ähnlich wie in der Kampagne vom 11. 11. an bis Kampagnen-Ende besonders glücklich.
Fußball-Deutschland hatte Mainz als eine Stadt entdeckt, in der schön und auch erfolgreich gekickt wurde. Wolfgang Frank, inzwischen leider verstorben, hatte das 05-Wunder mit seinem Präsidium, alles honorige Mainzer Leute, möglich gemacht. Aber Erfolg kann auch den Charakter und den Anspruch generell ans Leben und die eigene Bedeutung oft massiv verändern. So auch in Mainz. Plötzlich ging es, weil durch den sportlichen und geschäftlichen Erfolg kräftig gefüttert, um all die Vorteile, die ein erfolgreich kickender Verein inzwischen generiert, auch neben dem Ansehen in der Stadt auch um schnödes Geld. Beispielsweise die „Entlohnung“ des Präsidenten. Auf den im Zivilberuf aktiven Rechtsanwalt, auf den man bislang immer hörte und ihm auch fast immer klaglos folgte, weil Mainz 05 doch auch durch sein fortschrittliches Tun und Wirken mit guten Kontakten in die Geschäftswelt bundesweit so interessant geworden ist. Die Mainzer wissen das alles. Harald Strutz, ein gut aussehender Mann mit enger Mainz-Bindung und trainiertem Rechtsverstand, erlaubte sich mit Wissen seiner Vorstandschaft, für seinen Zeitaufwand, der im Fußball von Jahr zu Jahr im Umfang zugenommen hat, sich einen finanziellen Ausgleich genehmigen zu lassen. Was anfangs kaum jemanden störte. Man hatte doch so viel Freude inzwischen an den 05ern. Und dazu auch einen coolen jungen und zugleich ehrgeizigen Manager namens Christian Heidel, der zugleich ein angesehenes Autohaus leitete und von Jahr zu Jahr auch im Fußball der Stadt Mainz enorm mit seiner Arbeit im Verein punktete. Das neue Stadion vor den Toren der Stadt als Ergänzung des „Hasenkessels“, wie die alte Adresse jahrelang firmierte, dürfte über die neuen Initiativen des Vereins – Vorstandschaft natürlich inbegriffen – sehr dankbar sein. Und der Fußball der Region Rhein/Main ebenso, denn 05 entwickelte sich prächtig. Auf einmal war die Domstadt eine Bundesligastadt. Und auch noch erfolgreich mit seinem jungenhaften Trainer Jürgen Klopp, der die Zeichen der Zeit auch schnell erkannte und handelte. Inzwischen hat man sich in Mainz an das Bundesliga-Gold gewöhnt. Aber was passierte mit den handelnden Personen, die vorher eine einzige Bruderschaft waren? Christian Heidel verabschiedete sich zu Schalke 04, was man als beruflichen Aufstieg ansehen kann. Aber der smarte Autohändler mit dem 05er-Gen war wohl müde geworden. Und gewiss auch der Vereins-Querelen und der Eifersucht und was sonst noch alles in diesen menschlichen Bereich fällt, auch irgendwann überdrüssig. Das Opfer heißt inzwischen Harald Strutz, der ob der neuen Zeit bei Mainz 05 und den damit verbundenen Möglichkeiten des Zugewinns von Kapital und Ansehen auch nicht grußlos an dem Gabentisch vorbei gehen wollte. Was seine Vorstandskollegen dann auch nutzten, wie man weiß: Er stand plötzlich nicht mehr in der 05er-Sonne, sondern quälte sich am Pranger einer Stadt, die im Karneval zwar besonders lustig ist, aber wenn es um Zugewinn egal welcher Art geht, den Neid auspackt.
So ist der Mensch. Nicht nur in Mainz. Man könnte daraus lernen. Aber wer würde dies anerkennen, wenn es noch eine Möglichkeit gäbe, richtig zu streiten, rückblickend abzustrafen und damit aus einer sympathisch-fröhlichen Stadt mit einem interessant gewachsenen Bundesligaverein wieder, wie vor der sportlichen Ära von Trainer Wolfgang Frank, einen neuen „Hasenkessel“ im Ansehen entstehen zu lassen. Was mir übrigens sehr leid tut. Das haben weder Ex-Präsident Harald Strutz, einige Mitstreiter, noch der Verein Mainz 05 oder diese schöne Stadt mit ihren Bürgern verdient. Der große französische Dichter und Stückeschreiber Jean Baptiste Molie`re (1622 – 1675) – „Tartufe“, „Der Geizige“) hat wohl für die Ewigkeit den Spruch geprägt: „Mögen wir noch so viele (gute) Eigenschaften haben, die Welt achtet nur auf unsere schlechten.“
Der Beitrag Mainz 05 hat die Fußballwelt schon oft begeistert. Traurig ist, dass man in diesem Verein nur schwer Ruhe reinbekommt erschien zuerst auf Horst Rebers Tag & Nachtausgabe.
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