Uli Hoeneß ist wieder da – in unserer Welt des Fußballs. Könnte man meinen, aber dem ist nicht generell so. Der alte und der neue Bayern-Präsident mußte erst durch die Hölle gehen und körperlich und seelisch sowie mit Häme mehr büßen als ein Gewaltverbrecher. Jubel und Gewaltausbrüche sind miteinander verwandt, wohnen Tür an Tür. Bei all dem karitativen Tun in unserer Gesellschaft und in unserem Land macht sich mentale Traurigkeit breit: Der Egoismus, die Niedertracht und die Gehässigkeit nehmen allgemein seit Jahren permanent zu.
Die gnadenlose Gesellschaft vergrößert sich zusehends. Ich erschrecke mich oft, wenn ich nur den Fernseher für Nachrichten einschalte. Böse Bilder überfallen den Konsumenten in breiter Front. Großformat für kleinkarierte Voyeure sind dabei Trumpf. Im Alltag, im Beruf, im ganz normalen Leben. Wären da im Tagesgeschehen nicht erfreulicherweise auch viele positive Beispiele von Hilfsbereitschaft, Verständnis und Mitleid vorhanden, die man allerdings in den Medien relativ selten – auch aus Ahnungslosigkeit oder fehlenden Infos – anspricht, müsste man fast aus dem menschlichen Anspruch in unserer Welt verzweifeln.
Uli Hoeneß, Deutschlands durch seine großartige Fußballkarriere gefeierter, aber zuletzt der am meisten gebrandmarkte Sportfunktionär mit WM- und EM-Titel ist da ein herausragendes Beispiel. Klar, er hat in einer schwachen Phase seines gestressten Funktionärslebens aus niedrigen Instinktenbeurteilt. Als ein Steuersparer, den es bekanntlich in vielen Variationen gibt, hat er einen großen Fehler gemacht. Diesen dann leider zu spät als solchen erkannt und zu zögerlich reagiert. Alle Versuche den Schaden wieder gutzumachen, scheiterten dann auch an der Gesetzgebung. Dreieinhalb Jahre Gefängnis. Auch wenn die Haft teilweise dank guter Führung etwas erleichtert wurde, war diese Verurteilung eine angemessene Strafe für einen Mann, der in aller Welt als Bayernpräsident mit anerkannter hoher Sozialkompetenz berühmt wurde. Er ist und bleibt ein Fußballprofi mit einem Namen wie kaum ein anderer in diesem Genre mit und ohne Ball, das heute den höchsten Stellenwert in der Unterhaltung hat. Bis zum Zeitpunkt seiner Verhaftung und Anklage hatte Deutschland und die Welt von dem begnadeten Kicker und späteren Sportmanager ein sehr gutes Bild. Er agierte auf der Fußballbühne und auch im Privatleben, begleitet von viererlei Ehrungen auf höchster Ebene, souverän. Aber auch teilweise mit unterschiedlichen Gefühlen aus der eigenen Brust. Je nach Vereinsliebe wurde er geliebt oder gehasst. Dies über viele Jahre seiner Auftritte und einer fraglosen Kompetenz in diesem Geschäft. Bis dann die Staatsanwaltschaft bei ihm mit Polizeibeamten auftauchte.
Uli Hoeneß hat heute, wo er sich nochmals der Aufgabe und der zweifellosen großen Anstrengung und den vielfältigen Mühe als neuer und alter Vereinspräsident des FC Bayern, für den er sich viele Jahre auf dem Rasen und am Schreibtisch in der Säbener Straße in München erfolgreich eingesetzt hat, bestimmt einige Zentner Genugtuung erhalten, aber möglicherweise auch Zweifel im Kopf gehabt. Ist das auch alles richtig, was Du da machst? Nun ist er wieder Präsident vom größten Fußballverein in deutschen Landen. Das will etwas heißen. Aber nun, das er sich nochmals in einer aufsehenerregenden Wahl ein zweites Mal mit überragendem Erfolg zur Wahl gestellt hat, wird seine Seele sicherlich brennen. Aber sie ist bestimmt eine Seele voller Narben.
Erinnern wir uns: Kaum aufgedeckt als Steuerbetrüger wurde Uli Hoeneß plötzlich gehasst, geschmäht und verteufelt, weil er Steuern hinterzogen hat, wie das viele Bürger in allen Ländern mit Steuergesetzgebung tun. Allerdings meistens in weitaus kleineren Dimensionen. Unser Rechtssystem reagiert auf solche Tatbeständen nun mal mit harter Strafbemessung. Uli Hoeneß hat sich in der Haft, soweit bekannt, nie beschwert. Er hat sich allerdings auch nie im Strafraum des Gesetzes fallen lassen, sondern zeigte, soweit nach draußen hin erkennbar, Buße und Einsicht. Diese Fähigkeiten nehme ich ihm auch ab. Hoeneß ist allerdings nicht der einzige, der eine ganz Zeit lang gefeiert und gesalbt wurde, weil halt aus aktueller Sicht einfach gut. Auch in sozialer Hinsicht. Er tat viel für soziale Zwecke, oft noch nicht einmal wie anderswo an die große Glocke gehängt. Aber der Erfolg in dieser Spur der öffentlichen Huldigung hat auch eine ganz hochsensible Seite: Der Neid wetzt täglich seine Klingen. Bei uns in Deutschland, in Europa und auch im ganz Ausland. Nur bei uns in der Gesellschaft werden diese Messer besonders sorgfältig geschliffen. Oft mit nicht mit Hass begleitet.
Vielleicht ist der ziemlich grenzenlos gewordene Neid der Preis eines besonderen Wohlstandes. In einem öffentlichen Tages- und Nachtbild, in dem besondere Menschen mit herausragenden Fähigkeiten, wohlgemerkt auch im guten Sinne, täglich unterwegs sind und sich manche Dinge erlauben können, die anderswo nicht so günstig beurteilt werden. Oder wo die Leistung an sich kaum oder gar nicht gesehen wird oder Anerkennung findet. Den Begriff Empathie können die in Sachen Sprache besser informierten Bürger wohl problemlos übersetzen, aber wie ist es generell mit dem Fühlen?
Wie ist es in der Praxis, in der Anwendung von Mensch zu Mensch? Von Nachbar zu Nachbar. Von Kollegen und auch Bekannten und zu Freunden? Neid und Missgunst kennen leider nur selten Gnade. Das Urteil darüber kann meistens nur harsch ausfallen, am liebsten hinter vorgehaltener Hand, also unerkannt. Darüber sollten wir alle in unserem Land, das uns wiederum auch nicht allein gehört, ernsthaft reden. Auf alle Fälle mehr als über die neueste Modelinie aus Italien oder Frankreich. Was auch selbstverständlich auch sein soll, um mich nicht falsch zu verstehen. Dies soll nur ein Beispiel von vielerlei Möglichkeiten sein.
Zu bewundernde Alltagshelden gibt es in Deutschland glücklicherweise auch jede Menge. Aber sie spielen in der Gesellschaft oder der breiten Öffentlichkeit meistens nur eine ganz bescheidene oder kurzfristige Rolle. Aber genauso gibt’s es auch viele charakterlose Dumpfbacken ohne Bildung und Herz. An diesen Gegensätzen sollten wir öfter mal gedanklich stehen bleiben. Daran sollten wir arbeiten. Fraglos auch die Medien, die von Menschen gemacht werden. Mehr denn je sind unter uns jedoch Menschen mit Herz und Verstand gefragt. Viel weniger sollten wir auf Glanzfotos von Artgenossen achten, die wenig oder gar nichts im Leben oder auch vom Leben gelernt haben, aber pausenlos im Licht stehen. Auch die Vertreter und Vertreterinnen der Politik sollten sich dies zur Aufgabe im täglichen Verhalten und ihrer Fähigkeit der Beurteilung machen. Mehr als je zuvor.
Aber um bei Uli Hoeneß zu bleiben: Ich freue mich über seine „Wiederauferstehung“ beim FC Bayern. Ich traue ihm ohne Wenn und Aber viel Gutes zu. Ich bewundere seinen Mut, es nochmals anzupacken. Ich gönne ihm dieses Comeback von Herzen. Ich bin mir jedoch dabei nicht sicher, ob sein Weg mit dem FC Bayern auch nach Verbüßung von dreieinhalb Jahren Gefängnis – ohne jeden Makel hinter Gittern nicht seine Kraft ausgelaugt hat.
Lieber Uli Hoeneß, ich habe Sie mehrfach interviewt und dabei in Ihrer Haltung und Kompetenz sehr schätzen gelernt. Ich wünsche Ihnen und Ihrer bewundernswerten Frau, die bedingunglos an Ihrer Seite alles mit durchgestanden hat und dabei auch erkennbar grau geworden ist, von Herzen alles Gute. Aber bedenken Sie hin und wieder dabei: Egal wie stark man ist. Wir kennen nur ein Leben. Horst Reber
Der Beitrag Uli Hoeneß, der Mann, der sich nicht brechen ließ und wieder beim FC Bayern als Präsident gewählt wurde erschien zuerst auf Horst Rebers Tag & Nachtausgabe.
vonHorst Rebers Tag & Nachtausgabe http://ift.tt/2fzMfr3