Krimi-Verehrer, hier mal ein Tipp: Da geht ein neuer Stern für Krimi-Spannung am Rhein-Main-Himmel auf. Zumindest habe das eindeutige Gefühl, dass Olaf Jahnke als Autor seinen Weg machen wird. Sein neuestes Werk „Patientenrache“, das gerade auf den Büchermarkt geschoben wurde, kann sich bereits nach kurzer Zeit an einer recht großen Leserschaft erfreuen. Seine Lesung am Donnerstagnachmittag im renommierten Branchenführer „Hugendubel“ an der Hauptwache in Frankfurt war so gut besucht, dass einige Besucher kein Problem darin sahen, dem Autor auch klaglos im Stehen zu lauschen.
Olaf Jahnke, gut aussehend und gepflegt, dazu im besten Mannesalter, also um die 40, begeisterte im „Hugendubel“ mit seiner gepflegten Sprache zum einen. Aber ganz schnell kam man als Zuhörer dahinter, dass seine Details, die auf eine sehr gründliche Recherche schließen lassen, jeden Leser noch schlauer machen. Der Autor weiß, was beispielsweise in Krankenhäusern so alles zwischen und hinter den Kulissen gut und auch schlecht läuft. Mit Patienten und mit dem Personal zwischen OP und Warteraum.
Mich hat diese Lesung ganz besonders gefreut, denn Olaf Jahnke ist ein Selfmademan. Er hat schnell gelernt, was man mit Auge und Ohr, aber auch mit der Kamera sofort festhalten muss. Als blutjunger Mitarbeiter bei Kult-Fotograf Harald Joppen in den 80erjahren – Harald Joppen, der auch täglich für die Abendpost/Nachtausgabe und speziell für mein Ressort in und um Frankfurt von früh bis spät auf der Jagd nach Fotomotiven fürs Blatt unterwegs war – ist er für mich Legende. Er war in seinem ewigen schwarzen Anzug, der immer nicht zu bändigende Schuppenspuren auf seinen Schultern erkennen ließ – auch mit mir als Reporter der A/N zwecks Foto unterwegs und ist bis heute in meinen Augen der fleißigste Fotoreporter und Branchen-Geschäftsmann, den ich in meinem Leben kennenlernte. Sein kleines Geschäft an der Rückseite des Frankfurter Hofs war jahrlang Anlaufadresse für Tages-Fotografie der 70er- und 80er-Jahre in Frankfurt. Ob Passbilder oder auch gelegentlich erotische Aufnahmen – Harald nahm alles für die Dunkelkammer, in der er Laboranten beschäftigte. Sonderaufträge, die gut bezahlt waren, schätzte er ebenso wie offizielle Termine im Römer oder der Paulskirche. Und ich sage es voller nostalgischer Freude: Harald Joppen war überall gern gesehen. Die Hotels mit ihren eigenen Veranstaltungen oder die Restaurants mit prominenten Gästen waren seine Spezialität. Wo immer es etwas abzulichten gab, sowie die stets von ihm gern abgelichtete Stadtgesellschaft vom Oberbürgermeister bis zu den Theaterpremieren, die vielen Adabeis, die es nach wie vor reichlich in Frankfurt und auf der Welt gibt, wußte was sie an an dem kleinen flinken Mann mit den weiss-grauen Haaren hatte. Leider zeigte sie es nicht, als Harald Joppen von der oft elenden Hetze dieses Berufs krank und verbraucht war. Als er einsam in einem Altenheim in Niederrad starb, bekam es kaum jemand mit.
Aber zurück zu Olaf Jahnke: Er hat bei Harald Joppen, der ursprünglich gelernter Drogist war, viel abschauen können. Vor allem auch das Abstreifen jeglicher Hemmungen vor großen Tieren im Gesellschaftsleben. Harald Joppen, dessen Sohn Martin übrigens inzwischen auch ein angesehener und geschäftlich sehr erfolgreicher Repräsentant der Szene rund ums Bild mit passenden Menschen ist, konnte dem Buchautor Olaf Jahnke in der gemeinsamen Zeit jede Menge praktische Geistesblitze als Einstieg hinterlassen. Sie dürften ihm jetzt als Autor mit Sicherheit öfter eingefallen sein.
Es hat sehr viel Spass gemacht, Olaf Jahnke zuzuhören, denn er hat zudem nicht nur eine sehr einfühlsame Schreibe, sondern auch eine sehr gute Stimme. Aber noch wichtiger ist der Spannungsbogen, der die „Patientenrache“ zum Kaufobjekt macht. Das ist meine Empfehlung fürs Wochenende. Gut zu wissen: Es ist viel Frankfurt und auch Taunus mit Überraschungen drin.
Der Beitrag Der Krimi-Autor mit der spitzen Feder für Spannung und Details erschien zuerst auf Horst Rebers Tag & Nachtausgabe.
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