An Helga Masthoff (74), die achtfache Deutsche und Internationale Tennismeisterin, die von 1972 bis 1974 als Nr. 4 der Welt geführt wurde, die das Damentennis in jenen Jahren in Deutschland ziemlich beherrschte, musste ich mal vorübergehend respektvoll denken, als ich mir heute mittag das WTA-Tennismatch zwischen Angelique Kerber als Weltranglistenerste und der Slowenin Domenika Cibulkova (2:1 nach Sätzen.) im Fernsehen anschaute. Aber was für ein Unterschied von heute zu jenen (guten) Jahren. Kerber als aktuelle Nr. 1 weltweit musste gegen die Nr. 7 aus Slowenien mit allem was sie drauf hatte, erbittert kämpfen, um die nächste Runde zu erreichen. Man glaubte kaum, dass hier zwei Frauen auf den Ball schlugen. Was für ein schnelles und kraftvolles Spiel, das man vor einigen Jahren bei Steffi Graf auch erlebte, aber doch nicht ganz so schnell wie heute bei Kerber und Cibulkova. Aber gehen wir noch einige Jahr mal zurück auf dem roten Sand. Helga Masthoff war in ihrer großen Zeit als Königin der deutschen Spielerinnen ebenfalls eine Ausnahmespielerin, aber man sah damals eigentlich sofort, dass eine Frau auf dem Platz stand. Ein etwas anderer Bewegungsablauf, alles einige km/h langsamer in den Schlägen. Steffi Graf hat Helga Masthoff dann auch schnell erkennbar überholt. Bei Angelique Kerber, die es jetzt inzwischen zur Weltspitze der heutigen Zeit geschafft hat, sieht der Bewegungsablauf nunmehr sogar nach Formel-1-Tempo aus. Permanent Vollgas mit Vor- und Rückhandschlägen. Angelique ist eine exorbitante Topathletin geworden, die es in puncto Kondition und Ballgeschwindigkeit nahezu mit den meisten männlichen Gegnern in der oberen Spielklasse aufnehmen kann. Der athletische Unterschied zwischen Mann und Frau ist nur noch relativ gering. Was für eine Entwicklung.
Irgendwie reizt dann auch der Vergleich im Fußball: Dort ist bei den Frauen die körperliche Leistung noch nicht ganz soweit fortgeschritten wie im Tennis. Aber wenn die Entwicklung und der Ehrgeiz des schönen Geschlechts so weiter marschiert – und damit ist bei dem weltweit zu beobachtenden Ehrgeiz zu rechnen – dann sind Autogramme von Fußballerinnen bald genauso wertvoll und gefragt wie die der Männer. Was zwar den letzten verbliebenen Machos im Fußball, wie beispielsweise Ex-Nationalspieler Mario Basler, nicht besonders viel Freude machen dürfte. Er hat da seine eigene Meinung, wie ich kürzlich gelesen habe. Aber so langsam muss das männliche Geschlecht den Aufstieg der Damen in die männliche Leistungsklasse akzeptieren. Ich hoffe voller Respekt. Hier ist ein Wandel festzustellen, den vor 40 Jahren niemand für möglich gehalten hätte. Das erste Frauen-Länderspiel erlebte ich in den 60er-Jahren in Südbaden. Damals spielte Deutschland gegen Holland. Das Ergebnis habe ich nicht mehr im Kopf, aber ich dachte mir damals: Fußball ist kein Sport für Mädchen oder Frauen.
So kann man sich als Mann auch in dieser Kategorie des Lebens täuschen. Was jedoch gut ist und den Sport noch ein ganzes Stück interessanter macht. Die meisten Männer wissen das aber schon seit einigen Jahrzehnten. Die meisten beweisen auch den nötigen Respekt. Man kann nunmehr festhalten: Die Ohrfeige mancher Frau tut heutzutage genauso weh wie die von einem Kerl. Mannsbilder müssen umlernen…
Der Beitrag Die Damen so athletisch wie Herren – Angelique Kerber ganz gross erschien zuerst auf Horst Rebers Tag & Nachtausgabe.
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