Manfred Krug hatte ein sehr bewegtes und zugleich auch sehr erfolgreiches Schauspielerleben, kombiniert mit musikalischem Entertainment, das er besonders liebte. Anmerkung: Wer noch in einem gut sortierten Schallplattengeschäft eine Krug-CD mit Liedern von ihm ergattern kann, dürfte diesen Kauf nie bereuen.
Zur Vita in Kurzform: In Duisburg geboren, mit 12 Jahren mit seinen Eltern in die DDR. wo er allerdings nicht glücklich wurde, Als sein Freund Wolf Biermann in der DDR ausgebürgert wurde, da hatte er „auch die Schnauze voll von der sozialistischen Staatsmacht und kam in den Westen zurück. Nicht ohne auch entsprechend Krach zu machen, denn der von seinem Freund Jurek Becker geschriebene TV-Serienstar „Liebling Kreuzberg“, wie eine seiner Rollen mit Vornamen Robert in seiner populären gleichnamigen TV-Serie hieß, war im täglichen Leben sowie in der TV-Serie „Auf Achse“ ein unerschrockener Mann. So sah ihn allerdings auch sein mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet Drehbuchautor, der polnische Schriftsteller Jurek Becker und der Krimi-Regisseur Heinz Schirk. „Ich bin nunmal einer, der der massiv protestiert, egal wo es ist, wenn ich merke, da läuft was falsch“, sagte mir Manfred Krug anlässlich eines Interviews in Begleitung seiner Gelegenheits-Promoterin Edith Koch vom hr, die leider schon vor Jahren gestorben ist.
Mit zwei Portionen Pasta Mista, Eis als Nachtisch und einer Flasche Rotwein saßen wir uns bei dem einstmals gefragten italienischen Frankfurter Gastronom Pietro Samueli im Reuterweg/Elsheimer Straße, der in den 50er-Jahren zu den ersten Italo-Gastronomen nach dem Krieg in Frankfurt gehörte, und eine der besten Italo-Ausbildungs-Adressen für Köche und Kellner in Frankfurt wurde. Unser ausgedehntes Gespräch ist mir unvergessen, weil Krug den ganzen Abend so souverän und zugleich liebenswürdig war. Ich erinnere mich: Er nahm meine Einladung nur unter der Bedingung an, dass er die von mir bestellte Flasche Wein selbst bezahlen dürfe. Was dann nach seiner Meinung unter dem Motto „Wein, Frankfurt und Abendpost/Nachtausgabe – das passt“ auch so lächelnd und intensiv plaudernd abgewickelt wurde.
Ein Abend, der mir deutlich machte, dass Manfred Krug ein Typ war, wie er nicht allzu oft im Genre Schauspiel und Bühne sowie seiner besonderen Liebe zum Gesangs-Entertainment zu finden war. So sagte er beispielsweise auch dies: „Herr Reber, Sie können schreiben was sie wollen, machen Sie mich auf keinen Fall aber schöner und besser als ich wirklich bin. Sonst sagt meine Frau: Siehste, so hätte ich Dich auch mal gern.“ (Anmerkung ganz nebenbei gesagt: Er war als Mann mit Draufgängergen sicherlich kein Heiliger, aber seine Frau Ottilie liebte Krug über alles. So wie er war.)
Manfred Krugs Weg als Kind in die DDR und dann wieder retour als Erwachsener war jedesmal mit Schwierigkeiten verbunden, insbesondere der Weg zurück. Krugs Protest brachte ihm zunächst ein Teilberufsverbot ein. Der in der DDR auch als Sänger sehr populäre spätere „Tatort“-Kommissar im Westen, dem Rollen wie die des „Tatort“-Kommissars Paul Stoever mit 41 Folgen wie auf den Leib und seinen ursprünglichen eigenwilligen und zugleich liebenswerten Charakter geschrieben waren, war auch im privaten Leben ein Gerechtigkeitsfanatiker. „Für einen Freund oder eine Freundin kann ich mich jederzeit prügeln, wenn es sein muss“, erzählte er mir. Mit Eitelkeit und auf den Putz hauen hatte er nichts zu tun: „Als Schauspieler weiß ich natürlich, dass man sich verstellen und sich tarnen kann. Aber spätestens nach der zweiten Begegnung fliegt man doch auf. Also habe ich dieses Spiel von Anfang an gelassen…“ R.I.P. Herr Krug, Sie waren eine Begegnung mit enormer Strahlkraft. Und Ihre Lieder höre ich mir nach wie vor mindestens zwei bis dreimal im Jahr zu Hause an.
Der Beitrag Manfred Krug – ein Mann wie ein Baum mit viel Verstand erschien zuerst auf Horst Rebers Tag & Nachtausgabe.
vonHorst Rebers Tag & Nachtausgabe http://ift.tt/2fb3d0B
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen