Der Mensch an sich ist gut, wenn es nur nicht so viele oft nicht zu erklärende Verführungen gäbe, die sein angestrebtes gutes Image mit häßlichen Flecken bedecken. Mir fällt in diesen Tagen der Trauer von Berlin alles ein, nur kein Respekt vor der AfD und deren Protagonisten. Diese gefährlichen Polit-Zungen sind schon so oft gespalten worden, dass sie eigentlich gar nicht mehr funktionsfähig sein dürften. Das Thema Ausländer, auf AfD-Art immer wieder aufs Neue mit wechselnder hinterhältiger Weise in die Öffentlichkeit getragen, widert mich und viele, viele andere Bürger so an. Gerade wieder in diesen Tagen, nachdem heraus kam, dass der schon länger erfolglos unter Beobachtung stehende Attentäter Anis Amri aus Tunesien stammt und der IS-Miliz zugeordnet werden muss. Ein grauenhafter Fall. Aber kein Grund ihn zu verallgemeinern und gewissenlos auf Flüchtlinge zu übertragen.
Die AfD-Vorstands-Taktierer, Frau Petry und Vize Gauland, können doch niemandem mehr außer den eigenen Spießgesellen und Gesellinnen ohne Scham ins Gesicht blicken. Dafür haben sie schon zu viele Beispiele geliefert, wie hinterhältig sie im Feld der Populisten agieren. Diese Parteifreunde fischen in verdammt trüben Gewässern.
Anis Amri, der 24jährige LKW-Attentäter von Berlin ist nun tot – erschossen bei einer Personenkontrolle mit einer italienischen Polizeiwaffe. Kein Bedauern deshalb auf breiter Front. Eine kriminelle Sachlage war der Ausgangspunkt. Der Handlung kann man als Mensch mit Vernunft folgen. Nun kann sich die AfD aus dieser Sache nicht mehr mit giftigen Gefühlen und Kommentaren bedienen. Allzu schnell hat man die Gelegenheit wahrgenommen, um Flüchtlinge generell zu brandmarken. Angela Merkel hat man sogar dafür verantwortlich gemacht, dass Menschen in höchster Not aus hochproblematischen Lebensverhältnissen fliehen und in Deutschland Asyl beantragen oder hier unterschlüpfen wollen. Natürlich sind darunter auch schlechte Charaktere, wie in jedem anderen Land. Gewiss auch Kriminelle. Aber bitte, – dem stehen auch Millionen Menschen anderer Nationen seit den 50erjahren in Deutschland unangefochten als angesehene Bürger gegenüber. Es sind Menschen, die bei uns in den letzten 50/60 Jahren oder erst vor einigen Monaten eine neue Heimat, Brot und Arbeit oder sogar ihr privates Glück gefunden haben. Viele der Migranten – aus welchen Ländern auch immer – haben sich wunderbar in unser deutsches Leben eingefügt. So wie dies auch in anderen Ländern von Europa oder auf einem anderen Kontinent passiert. Auch wenn es Donald Trump nicht gefällt – nicht zuletzt galt Amerika auch über Jahrzehnte als klassisches Einwanderungsland.
Ich erinnere mich: In den 60erjahren waren es vornehmlich Italiener und Spanier, die zu uns kamen. Gastarbeiter nannte man sie. Angeblich kamen nur zum Arbeiten, um dann nach einiger Zeit wieder in ihre Heimat abzudampfen. Angeblich passten sie auch einigen Leuten nicht so richtig in unser Leben, in unser Wertesystem. Und heute? Gerade diese besagten Nationalitäten haben es geschafft, unser Kulturleben beispielsweise auch mit phantasievollem Essen und Trinken, Kultur und Freundlichkeit sowie einem fröhlichem Ambiente insgesamt zu bereichern. Fast jeder Deutsche liebt sein ausländisches Restaurant. Den Italiener, den Griechen, den Chinesen.
Es gab aber auch Zeiten, da schlug diesen fremden Küchenchefs Argwohn und Ablehnung aus einigen Kreisen unseres deutschen Lebens entgegen. Man spürte plötzlich Konkurrenz. Die einfachen Nudel-Restaurants aus der Poebene machten plötzlich Umsatz. Als Kolumnist für das Gesellschaftsleben der Abendpost/Nachtausgabe, die gerne über Land und Leute mit besonderer Gastlichkeit berichtete, mußte auch ich mir manche Kritik anhören, wenn ich ein schönes italienisches Lokal lobte oder deren neues Ambiente mit Pfiff in einer Kolumne herausstrich. Deutsche Gastronomen fragten erbost: Wie kann man denn über Spaghettikocher so positiv schreiben?
Aber der Zungenschlag hat sich mit dem neuen Wissen und Respekt vor fremden Pfannen geändert. Seit den 80ern kommt aus vielen Küchen ein neuer Duft mit neuem Öl und anderen Kräutern. Das war der Zeitpunkt, als wir in Deutschland querbeet gemerkt haben, wie gut uns Spaghetti, eine Pasta oder auch ein Döner sowie Wein aus der Toscana oder Umbrien schmecken. Oder wie ansteckend die gute Laune eines netten Kellners aus Kalabrien ist.
Der Argwohn gegenüber den Tellern anderer Machart, also das Gegenteil von Rippchen mit Sauerkraut, Leberwürsten, Sauerbraten oder Bratkartoffeln aus der eigenen Küche, verflüchtigte sich schneller als man schauen konnte. Diese Form der Ablehnung entwickelte sich jetzt in Begeisterung für „seinen“ Italiener. Und so war es auch kein Wunder, dass immer mehr Lokale dieser Art auf den Markt drängten. Gäbe es sie nicht – wir würden fast verhungern.
Wer wollte denn seinen geliebten Pizzabäcker schlecht reden, wo der doch auch noch nach 23 Uhr bereit ist, in der Küche für alle späten Gäste etwas Leckeres auf den Tisch zu zaubern.
Der Deutsche an sich ist nun mal etwas schwerblütiger als der Südländer, das weiß man hinlänglich. Und wenn es um alte Gewohnheiten geht, dann flutscht der Wechsel nicht unbedingt sofort. Erst mal probieren.
UND SIEHE DA. Das hat sich alles gravierend geändert. Glücklicherweise sind die Germanen nicht mehr so in ihren Geschmacksrichtungen festgelegt. Der deutsche Gaumen ist internationaler geworden, er hat sich weiter entwickelt. Heute erkennt er Küchengeheimnisse anderer Länder mit einem Zungenschnalzer an.
Aber es gibt immer noch Landsleute zwischen München, Hamburg oder Köln, nur diese Städte plakativ zu nennen, die alte Gewohnheiten im Urteilen über Fremde gerne mal ausgraben, um sich interessant und noch etwas deutscher zu machen. Insbesondere nach dem neuesten schrecklichen Attentat per LKW auf den Berliner Weihnachtsmarkt mit 12 Toten und 50 Verletzten.
Die dumme Vorurteils-Generalität stört enorm und stößt ab. Insbesondere wenn damit Ausländer, die längst zum größten Teil inzwischen unsere eigenen Lebensregeln und Gewohnheiten übernommen haben und vornehmlich laut Gesetz Bürger ohne Fehl und Tadel geworden sind, desavouiert werden. Der böse Stachel hat ausgestochen. Kriminelle Karrieren gibt es letztlich genügend, auch jene, die made in Germany entstehen. Klar, darüber ärgert man sich auch oder im besten Falle schämt man sich. Aber meistens ziemlich leise. Bei Tätern anderer Nationalität oder Hautfarbe fällt das Beil allerdings schnell.
Geht es um Fußball, ist die Sachlage inzwischen total anders. Wenn ein Afrikaner, ein Serbe, Chilene oder ein anderer Staatsangehöriger aus fernen Landen für unsere Vereinsmannschaft Tore schießt, dann findet man dies wunderbar. Wenn es möglich wäre, würde man diese Lieblingen aus fremden Ländern jedes Mal dafür küssen oder vor Freude umarmen. Da spielt weder die Hauptfarbe noch der Pass und die Herkunft eine Rolle. Boateng vom FC Bayern oder Kölns Modeste sind das Sinnbild dafür. Jeder Fußballfan weiß, wie wertvoll, effektiv auf dem Platz und auch wie sympathisch diese Kicker mit etwas anderer Hautfarbe sind.
Natürlich kann nicht jeder Ausländer ein populärer Boateng oder Modeste sein oder werden. Da kommt es auf die Leistung an. Aber gehen wir eine Ecke weiter. Mitten ins einfache Leben, wo kein Ball rollt. Dort könnten wir generell gesehen Pöblern und den geifernden Dreckschleudern an einigen Stammtischen ruhig öfter deutlich die rote Karte zeigen. Diese überflüssigen Typen, die man auch öfter als Fremdenfeinde ansehen kann, sind glücklicherweise in der Minderzahl. Dazu gehören aber auch jene, die ganz versteckt hetzen. Die heimlichen Polit- Spalter, die meine ich. Nach außen tolerant, aber intern immer auf der Lauer, um versteckt Unrat ohne Verantwortung dafür zu übernehmen unters Volk zu bringen. Diese Leute müssen von den vielen Anständigen unter uns in Deutschland viel öfter direkt gestoppt werden. Klare Kante. Auch bei künftig anstehenden Wahlen.
Der Beitrag Rote Karten für Pöbler und Spalter – wir haben Kultur für Menschenfreundlichkeit und Respekt erschien zuerst auf Horst Rebers Tag & Nachtausgabe.
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